--- Computer-Klischees in Film und Fernsehen ---
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Der folgende Text enstammt von Netwelt.de und wurde von Christian Rentrop verfasst

Computer in Filmen - oft genug scheinen die Filmemacher mit der Technik auf Kriegsfuß zu stehen. Statt einer realistischen Darstellung greifen Regisseure und Drehbuchautoren lieber nach einem Ideal des Computers, das jedem PC-Anwender einen Schauer über den Rücken jagt. An dieser Stelle eine kleine Top 15 der wohl albernsten Computer-Klischees in Film- und Fernsehproduktion.

Es ist schon schauerlich, mit welchen Klischees Computer in Film und Fernsehen zu kämpfen haben. Besonders Hollywood-Produktionen sind oft eine Ansammlung von Computerlügen, die leider oder zum Glück kaum etwas mit der Realität zu tun haben. Da sprechen wildgewordene Superrechner mit Psychopathenstimme und töten Menschen, so wie HAL in "2001 - Odyssee im Weltall", oder es handelt sich um ultrakompatible Supermaschinen, die jeden Anwender träumen lassen, weil sie so weit von der Realität entfernt sind. Auch die Computer-Anwender kommen oft nicht gut weg, aber dazu später.

Platz 15: Nerds und Hacker

Den letzten Platz in der Top 15 der Computer-Klischees belegt definitiv der Computerverrückte. Zottelig, Cola trinkend und Pizza futternd vegetiert er mit seiner Brille, Modell Vietnamkrieg, in einem dunklen Raum mit lauter Bildschirmen vor sich hin, ständig darauf wartend, dass eine wichtige Person von CIA oder FBI anruft, um sich seinen Rat zu holen. Alternativ verbringt er seine Tage damit, sich in Schwierigkeiten zu bringen, indem er sich in irgendwelche Computersysteme von fürchterlich wichtigen Regierungsstellen hackt oder - natürlich rein zufällig - Akten über Vertuschungen, Verbrechen oder Korruption findet.

Die wohl schönste Darstellung dieses Klischees findet sich in der Serie "Akte X", denn wenn Fox Mulder wieder einmal dringend einen Hack benötigt, konsultiert er nicht die IT-Abteilung des FBI, sondern greift auf seine nerdigen Hacker-Freunde zurück, die in einer Art Übertragungswagen so ziemlich jeden Rechner der Welt hacken können, selbst wenn dieser nicht einmal mit dem Internet oder irgendeinem Netzwerk verbunden ist. Dabei werden ständig wichtige Akten zutage gefördert. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass die Verantwortlichen der Großrechner auf der Stelle bemerken, dass sie gehackt wurden, und nicht nur das: Sie wissen auch von wem und starten sofort eine wilde Verfolgungsjagd, meist unter Einsatz von schwerem Gerät oder Auftragskillern. Wäre das in Wirklichkeit so, gäbe es wohl kaum noch Hacker und Cracker, die den Mut aufbrächten, sich mit ihrem Hobby zu beschäftigen.

Platz 14: Die Computer-Kids

Auf Platz 14 findet sich das Computer-Kid. Anders als der nerdige Erwachsene, der ständig vom Helden zu Hilfe gerufen wird, nutzt das Computer-Kind seine Begabung lieber zum Bau wilder Konstruktionen. Im Kinderfilm "Hatschipuh" von 1987 konstruiert der vorlaute Knabe eine Maschine, mit deren Hilfe er morgens geweckt wird. Das Material: ein C64 und jede Menge Fischertechnik. Dieser Typ Computer-Kind kommt in fast jedem Jugendfilm vor und ist natürlich nicht die ganze Zeit damit beschäftigt, Filesharing-Clients zu installieren und Online-Games zu zocken. Stattdessen konstruiert er - gäbe es diese Jungs in Wirklichkeit, wäre die Welt wohl ein besserer Ort.

Platz 13: Interface-Genies und unkaputtbare Notebooks

Der 13. Platz gehört den Computern selbst. Computer sind in den meisten Filmproduktionen hypergeniale, allwissende und hochgradig vernetzte Superrechner ohne Kompatibilitätsprobleme. Egal welchen Stecker oder Datenträger der Held dabei hat, es ist kein Problem, Daten darauf zu speichern. Ganze Datenbanken wandern in Sekundenschnelle auf winzige CD-Rohlinge, Minidisks oder werden via Modem per E-Mail verschickt. Natürlich gibt es nur eine einzige Programmiersprache auf der Welt, mit deren Hilfe sich selbst komplexeste Programme in kürzester Zeit kompilieren und dekompilieren lassen. Gesehen in Actionfilmen jeder Couleur.

Beliebt sind auch die unkaputtbaren Notebooks. So müssen Mobilrechner niemals an den Strom gehängt werden. Der Rechner von Carrie Bradshaw in "Sex and the City", ein uraltes Powerbook, funktioniert stundenlang ohne Kontakt zur Steckdose und wenn es nötig ist, hält der Akku gerne einmal einige Tage oder Wochen im Dauerbetrieb. Notebooks macht es auch nie etwas aus, mies behandelt zu werden, das Innenleben ist wasserdicht verschweißt, damit der Rechner auch nach Wochen unter Wasser noch funktioniert. Und weil dieses Innenleben meist aus maximal einem fürchterlich wichtigen Mikrochip besteht, ist es auch kein Problem, wenn der Schurke mit dem Notebook verprügelt wird oder ein Panzer den Rechner überfährt oder ein Schrottpressen-Magnetkran den Rechner hochnimmt, die Daten sind sicher - immer vorausgesetzt, die Hatz nach den Daten ist kein Element des Films.

Platz 12: Hacking und Nachrichten-Systeme

Platz zwölf: Hacking. Jeder Computer ist ans Internet angeschlossen. Selbst der kleinste Unsinns-Rechner im Kinderzimmer ist geeignet, um sich in Computer von Superschurken oder Regierungen zu hacken. Das wird natürlich dadurch begünstigt, dass jede Passwortabfrage nicht kompliziert durch Brute-Force-Methoden geknackt werden kann, sondern der Admin einfach ein dämliches Passwort setzt, das maximal fünf Stellen hat und sich einfach erraten lässt. Ist das nicht Fall, gibt es immer eine Option, die Passwortabfrage zu überspringen.

Natürlich besitzt jeder Rechner einen RFID-Empfänger und jede Person im Film einen RFID-Chip, mit dessen Hilfe ständig die Positionsdaten des Helden oder Schurken ans Internet übermittelt werden, frei zugänglich für die Gegenseite. Anders wäre es überhaupt nicht möglich, dass Helden, Schurken oder Hacker immer in der Lage sind, dem Gegenspieler eine persönliche Nachricht zukommen zu lassen - egal, wo er gerade am Computer sitzt. Diese mysteriösen RFID-Chips scheinen auch für das Leid der Hacker in Film und Fernsehen verantwortlich zu sein, siehe auch Platz 15.

Platz 11: Hyperschnelle Netzwerke und HDTV

Der elfte Platz gehört den Netzwerken. Selbst über analoge Modems lassen sich problemlos Videos im HDTV-Format und ganze Datenbanken übermitteln, und zwar in Sekundenschnelle. E-Mails kommen immer an und Spam gibt es nicht. Jeder Chatraum funktioniert einwandfrei, der Anwender muss sich niemals mit nicht funktionierenden Java-Applets oder anderen Schweinereien des echten Lebens herumschlagen, und natürlich gibt es schon seit 1980 Videochat, gerne auch ohne Webcam. Besonders interessant ist, beispielsweise in "Star Trek"-Filmen, dass selbst einsam auf einer 500 Lichtjahre entfernten Planetenoberfläche stehende Sonderkommandos ruckelfreie, hochauflösende Videos von sich auf 500-Zoll-Plasmabildschirme übertragen können, ohne eine Kamera dabei zu haben.

Platz 10: Die leidigen Computerviren

Wenn sich ein Virus einschleicht, muss der den Rechner erst einmal infizieren. Genau wie bei Mensch und Tier gibt es Inkubationszeiten von Stunden oder Tagen, die es erlauben, die Daten zu retten, natürlich nur unter Lebensgefahr. Und wenn der Computer krank ist, bekommt er normalerweise auch Fieber. Er fängt an, ganz warm zu werden. Fatal in diesem Zusammenhang ist es, wenn der Rechner an einem Hausnetz angeschlossen ist, mit dessen Hilfe er natürlich alles regulieren kann, von der Heizung bis zur Klospülung. Dann spielen selbst modernste Hochhäuser verrückt und es fängt überall an zu brennen. Bemerkenswert auch, dass die Viren-Aktivität nicht nur den Rechner überhitzt, sondern auch Netzwerk-Kabel entzünden kann.

Platz 9: Das Betriebssystem-Wunder

Sämtliche Rechner, egal ob PC, Superrechner oder Handy, haben immer entweder ein nicht erkennbares Betriebssystem, das aber offensichtlich extrem schlank und schnell ist; oder aber, sie verwenden Mac OS 9. Es ist eine goldene, unumgängliche Regel, dass jeder Computer mit Mac OS zu arbeiten scheint. Sei es Homer Simpson, der Gerüchte ins Web streut oder Dennis Nedry in "Jurassic Park", der bereits 1993 an einem Unix-basierten Mac OS arbeitete. Und natürlich ist Quicktime der Video-Player der Wahl, selbst Online-Chats laufen via Quicktime. Trotz der grafischen Benutzeroberfläche müssen die Protagonisten aber immer ein Terminal-Fenster öffnen und komplizierten Code eingeben, wenn es ans Eingemachte geht.

Platz 8: Macs und PCs

Überhaupt scheinen Macs die bevorzugten Rechner in Hollywood-Produktionen zu sein. So ist das Internet-Café irgendwo im letzten Winkel der Dritten Welt im Film "The Beach" komplett mit iMacs ausgestattet. Auch ganze Staffeln von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", "Buffy" und "24" sind mit Macs ausgerüstet. Besonders beliebt sind die bunten Knubbel-iMacs, die auch schon in IKEA-Katalogen zu ihren Ehren kamen. Sie sehen so außerirdisch aus, dass sie selbst im Film "Men in Black 2" in einer intergalaktischen Höllenmaschine verwendet werden.

In amerikanischen Serien sind selbst Krankenhäuser und Großraum-Büros mit Macs ausgestattet, egal ob "Catwoman" oder "Emergency Room", Steve Jobs würde wohl vor Freude weinen, wenn der wirkliche Marktanteil von Macs dem in Film und Fernsehen entspräche. Bill Gates dagegen könnte einpacken. Nicht zu vergessen ist dabei, dass die Guten meist Macs nutzen, während sich Bösewichte mit Windows oder sogar dem unsichtbaren Betriebssystem aus Punkt neun herumärgern müssen. Linux gibt es in Filmproduktionen nicht, bestenfalls Unix-Systeme mit der Oberfläche von Mac OS 9.

Platz 7: Abstürze und die Folgen

Vermutlich ist auch die Verwendung von Macs oder Mac OS der Grund dafür, dass die Rechner nie abstürzen, in Sekundenschnelle hochbooten und jede Eingabe direkt und nach Wunsch des Anwenders abwickeln. Rechner stürzen nur dann ab, wenn es für den weiteren Handlungsverlauf wichtig ist. Dabei gehen immer sämtliche Daten und meist auch die Hardware kaputt, ein Hollywood-Absturz äußert sich nicht als normaler Bluescreen oder eine Kernel-Panik, sondern wirkt wie ein Sturz aus dem 67. Stock, nachdem der Rechner mit Benzin übergossen, angezündet und von ultrastarken Elektromagneten bearbeitet wurde. Der Rechner ist Schrott, wenn er abstürzt. Und meistens fängt er zu allem Überfluss noch an zu brennen. Bill Gates wäre bestimmt kein Multi-Milliardär, wenn dieses seltsame Verhalten den Tatsachen entspräche.

Platz 6: Das Wunder der Tastenbeschriftung

Egal, wo auf der Welt James Bond sich an einen Rechner setzt, das Gerät wird immer eine englische Benutzerführung samt englischer Tastatur haben. Vereinfachtes Chinesisch? Nie gehört. Und wenn die islamistischen Nazi-Kommunisten aus Kasachstan sich ausstatten lassen, greifen sie immer zu modernster Technologie aus Amerika. Internationalisierungen sind ein Graus und wenn der Rechner dann doch einmal nicht in Englisch geführt wird, dann doch mindestens frei von jeder Form von Beschriftung.

Tastenbeschriftungen sind im Ausland eben out, aber was soll's, die verwirren ohnehin nur. Das Gleiche gilt übrigens auch für Großrechner: Die haben Tausende von blinkenden Knöpfen, von denen nicht ein einziger beschriftet ist - die Ingenieure, die diese Höllenmaschinen meist in Bataillonsstärke bedienen, müssen Genies sein, denn der normale Durchschnitts-Anwender scheitert oft schon an der vierten unbeschrifteten Maustaste oder am Menü der Digitalkamera.

Und auch der zweite Platz der Top 15 gehört den künstlichen Intelligenzen, genauer gesagt der Spracherkennung und -ausgabe. Jeder Rechner kann fließend sprechen und verstehen, egal, in welcher Zukunft der Film spielt. Zum Thema Verständnis sei vielleicht der Test der Online-Übersetzer eingeworfen: Hier wird gezeigt, wie Spracherkennung wirklich funktioniert. Das Problem ist nämlich, dass sie wirklich grottenschlecht ist. Und wenn Computer doch eines Tages in der Lage sein sollten, Sprache zu erkennen, zum Sprechen ist es noch ein weiter Schritt, denn sinnvolle Sprachausgabe setzt ein Verständnis dessen, was gesagt werden soll, voraus. Kaum etwas, was Computer zurzeit leisten können. Filmproduzenten ist das allerdings egal, hier kann jeder noch so kleine Rechner perfekt mit dem Anwender sprechen. So, als wäre er eine echte Person und zwar eine mit extrem hoher Sprachbegabung, denn auch Fremdsprachen sind kein Problem.

Platz 5: Superrechner und ihre unglaublichen Fähigkeiten

Superrechner, egal ob HAL aus "Odyssee 2001", Skynet in "Terminator" oder der Tic-Tac-Toe-spielende Pentagon-Rechner in "Wargames" sind grundsätzlich fühlende Wesen mit einem Bewusstsein. Ihre ungeheure Rechenleistung und die Anbindung an das Internet sollten eigentlich darauf hindeuten, dass der Charakter des Großrechners eine Art Weisheit ausstrahlt, aber Fehlanzeige: Die Computer sind von Allmachts-Fantasien besessen, sehen Menschen als ihre Feinde an und sind komplexzerfressener und neurotischer als Woody Allen.

Kein Wunder also, dass sie ihren Problemen nicht mit einem Besuch beim Psychotherapeuten zu Leibe rücken, sondern lieber morden und mit Atombomben schmeißen. Entsprechende Sicherheitsvorkehrungen haben die Programmierer wohl vergessen, damit der verrückte Rechner auch möglichst viel Schaden anrichten kann. Eine goldene Regel im Umgang mit Neurotikern lautet übrigens: Neurotiker zeigen ein Reflektionsverhalten und projizieren ihre Fehler auf andere, ohne selbst zu erkennen, dass sie Neurotiker sind. Insofern ist die Vernichtung der Menschheit durchaus konsequentes Neurotiker-Verhalten. Interessanterweise haben all diese Rechner einen Selbstreparatur-Modus, der aber keine Ahnung von Psychotherapie zu haben scheint. Bleibt die Frage, ob es jemals Rechner geben wird, die sich Gedanken darüber machen können, dass sie möglicherweise nicht ganz dicht sind.

Platz 4: Roboter und andere künstliche Wesen

Der Roboter ist der Feind des Menschen - das jedenfalls ist die Ansicht westlicher Film- und Fernsehproduktionen. Egal ob "Robocop", "Terminator", "Nummer 5 lebt" oder die Borg: Die Roboter-Kampfmaschine der westlichen Filmindustrie ist nie besonders gut auf Menschen zu sprechen, vermutlich, weil ihr die körperliche Ausstattung zum beruhigenden Geschlechtsverkehr fehlt. Allerdings lässt er sich gerne durch ein menschliches Wesen von menschlichen Werten überzeugen. Liebe, Bildung, Moral, Treue, Freundschaft, all diese Werte gehen selbst ins kleinste Elektronengehirn, wenn es denn nötig ist. Das Resultat sind androgyne Klugscheißer Marke Data aus "Star Trek". Wenn das die Zukunft der Menschheit ist, kann man getrost darauf verzichten.

In Filmen und Serien aus Japan sieht es übrigens anders aus. Die Roboter-verrückten Vorzeige-Asiaten lieben ihre elektronischen Spielsachen. Hier sind die Roboter Freunde und Helfer, die niemandem jemals ein Leid zufügen würden. Interessant ist auch, dass sich Roboter- und Bio-Komponenten in Ost wie West problemlos zu einem Superwesen kombinieren lassen. Polizist Murphy, der in "Robocop" zum Superpolizisten umgebaut wird, dürfte nach deutschem Recht als schwerstbehindert durchgehen, sind doch fast alle seine Komponenten, abgesehen von Verdauungstrakt und Gehirn, Prothesen. Auch die halbkybernetischen Freaks in "Universal Soldier" sind offensichtlich Kinder dieser Philosophie. Kampfmaschinen, die auf Behindertenparkplätzen parken dürfen - eine schöne Vorstellung.

Platz 3: Wundersame KI

Apropos Roboter und Supercomputer: Die künstliche Intelligenz nimmt natürlich Platz drei der Top 15 ein. Es ist faszinierend, dass in Film- und Fernsehproduktionen KI-Produkte immer das Resultat eines offensichtlich verwirrten Wissenschaftlers sind. Es gibt keinen Not-Ausschalter und auch der Stecker lässt sich nicht ziehen, falls Computer oder Roboter eine Fehlfunktion haben und durchdrehen. Stattdessen ist die Menschheit dem Wahnsinn der Maschine ausgeliefert - kaum glaubwürdig in Zeiten, in denen jedes technische Gerät sich durch eine Unterbrechung der Stromversorgung ausschalten lässt. Natürlich ist die künstliche Intelligenz immer in der Lage, sich selbst zu reparieren. So kann sich der Terminator ohne Schraubenzieher den komplexen Arm reparieren und sich selbstständig einschalten. Das ist nicht nur albern, sondern lässt auch hoffen, zumal viele PC-Anwender mit TV-Karte sicher dankbar dafür wären, wenn ihr PC sich selbst einschalten würde, sobald er etwas aufnehmen soll.

Platz 2: Spracherkennung und -ausgabe

Und auch der zweite Platz der Top 15 gehört den künstlichen Intelligenzen, genauer gesagt der Spracherkennung und -ausgabe. Jeder Rechner kann fließend sprechen und verstehen, egal, in welcher Zukunft der Film spielt. Zum Thema Verständnis sei vielleicht der Test der Online-Übersetzer eingeworfen: Hier wird gezeigt, wie Spracherkennung wirklich funktioniert. Das Problem ist nämlich, dass sie wirklich grottenschlecht ist. Und wenn Computer doch eines Tages in der Lage sein sollten, Sprache zu erkennen, zum Sprechen ist es noch ein weiter Schritt, denn sinnvolle Sprachausgabe setzt ein Verständnis dessen, was gesagt werden soll, voraus. Kaum etwas, was Computer zurzeit leisten können. Filmproduzenten ist das allerdings egal, hier kann jeder noch so kleine Rechner perfekt mit dem Anwender sprechen. So, als wäre er eine echte Person und zwar eine mit extrem hoher Sprachbegabung, denn auch Fremdsprachen sind kein Problem.

Platz 1: Der hyperkompatible Mac

Den ersten Platz allerdings nimmt eine andere Sache ein: der hyperkompatible Computer. Jeder, der schon einmal seine Rechner-Plattform gewechselt hat, weiß, dass die Datenübertragung oft schon am Dateisystem scheitert, von fehlender oder inkompatibler Software einmal abgesehen. Schon zwei verschiedene Betriebssysteme stellen für die meisten Programme ein unüberwindbares Hindernis dar, es ist kaum möglich, eine Software ohne Emulatoren oder komplexe Konvertierung von einer Plattform auf die andere zu übertragen. Dabei fangen die Probleme oft schon beim Umstieg auf einen neueren Rechner der gleichen Plattform an: Wie bekommt man die Daten von einem Windows 98-PC auf ein Windows XP, ohne die Festplatte auszubauen, wenn der eine Rechner andere Schnittstellen hat als der andere?

Nicht so im Film "Independence Day". Hier ist es Jeff Goldblum möglich, mit seinem alten Powerbook das Schiff der Aliens zu infiltrieren. Nicht nur, dass er sämtliche Sicherheitsvorkehrungen überwindet, die eine überlegene, kriegsführende Zivilisation vielleicht entwickelt haben könnte, nein: Er programmiert auch noch einen Virus für das fremdartige Computersystem, natürlich unter Mac OS. Die Übertragung stellt natürlich auch kein Problem dar, es gibt offensichtlich eine göttliche Vorgabe, wie kabellose Netzwerke im ganzen Universum aussehen müssen.

Viren selbstgemacht

Der Witz an der Sache: Wer jemals versucht hat, mit einem C64 einen Virus für einen Windows-PC zu programmieren, weiß, wie unmöglich dieses Unterfangen ist. Rechnet man die 25 Jahre Computer-Evolution, die PC und C64 trennen, auf die Technik der Außerirdischen hoch, stößt man auf ein Problem: Es gibt, anders als bei PC und C64, keine gemeinsamen Wurzeln, zudem dürften die Rechner der Aliens aktuelle menschliche PC-Technik wie einen Abakus aussehen lassen. Aber gut, immerhin lohnt sich die völlige Umgehung jeder Logik, die Erde wird gerettet und die Aliens sind im David-gegen-Goliath-Modus erledigt.

Doch genug der Motzerei: Auch wenn Film und Fernsehen voll von Computerlügen der übelsten Sorte sind, sind sie doch durch und durch unterhaltsam. Es gibt natürlich noch zahlreiche andere Fehler in Filmen, die sich nicht unbedingt auf Computertechnik beziehen und natürlich ist es ohne Frage nicht besonders schlau, sich im Kino darüber aufzuregen. Sonst macht der Film keinen Spaß und man nervt seine Begleiter mit klugen Sprüchen. Filme und Serien sind meist Fantasie-Produkte und genau wie in Märchen sollte man es mit dem Realismus nicht so genau nehmen - ansonsten sollte man sich auch an dem Realitätsgehalt vom bösen Wolf und den sieben Geißlein aufregen. Und das macht ja nun wirklich keinen Spaß mehr.




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