--- Beamte ärgern ---
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25 Tricks,
Verwaltungsangestellten
und -beamten
Tobsuchtsanfälle zu
entlocken



Der folgende Text entspringt original aus dieser Quelle!

§ 1 ¦ § 2 ¦ § 3 ¦ § 4 ¦ § 5 ¦ § 6 ¦ § 7 ¦ § 8 ¦ § 9 ¦ § 10 ¦ § 11 ¦ § 12 ¦ § 13 ¦ § 14 ¦ § 15 ¦ § 16 ¦ § 17 ¦ § 18 ¦ § 19 ¦ § 20 ¦ § 21 ¦ § 2 ¦ § 3 ¦ § 4 ¦ § 25


§ 1: Der Lochausreißer

Eine der vordringlichsten Aufgaben von Verwaltungsangestellten und -beamten ist es, sämtliche Papierstücke welche sie in die Finger bekommen mit linksseitig angebrachten Verankerungsösen auszustatten und in einem Ordner abzuheften, damit, wie der Name Ordner schon andeutet, Ordnung herrscht. Zu diesem Zweck werden sog. Locher mit standardisierten Lochabständen im einschlägigen Bürobedarfhandel angeboten. Doch: das Einbringen von Löchern bedeutet zusätzliche körperliche Arbeit, da der Locher i.d.R. nicht so aufgestellt ist, daß der Verwaltungsangestellte/-beamte jederzeit problemlos - ohne sich aus dem Stuhle zu recken - dorthin gelangt.
Ein Verwaltungsangestellter/-beamter ist daher stets hocherfreut, wenn er von einem seiner Brötchengeber (i.e. der Steuerzahler), den er völlig unzutreffenderweise Bittsteller nennt, ein bereits fertig gelochtes Stück Papier erhält. Der Volksdiener nimmt dies Dokument wie ein Schatzkästlein freudig und glänzenden Auges in die Hand und heftet es wohlwollend in einen seiner vielen Ordner ein.
Dieses anerzogene Verhaltensmuster bietet einen idealen Ansatzpunkt für List, Häme und Tücke: Wäre es nicht denkbar tragisch, wenn die Löcher eines gelochten Blattes um ca. einen Lochdurchmesser enger als in der Lochnorm vorgesehen zusammenstünden? Dies wäre rein optisch nämlich nicht auf Anhieb zu bemerken.

Der Verwaltungsangestellte/-beamte würde ein solcherart präpariertes Blatt mit einem der beiden Löcher auffädeln und mit Zerrbewegungen versuchen, auch das zweite Loch über den dafür vorgesehenen Verankerungsmechanismus zu streifen, was ihm aber der teuflischerweise zu geringe Lochabstand verwehrte. Tests haben ergeben, daß in 99% aller Fälle mindestens ein Loch bei dieser Prozedur ausgerissen wird. Das zwingt den Verwaltungsangestellten/-beamten zur Neulochung und zum Einsatz von Lochverstärkungsringen, die jedoch - wie stets - gerade verbraucht sind. Er hat nun einen Materialanforderungsschein auszufüllen, welcher unglücklicherweise nicht innerhalb der nächsten vier Monate bearbeitet werden kann, da der dafür zuständige Materialverwaltungsangestellte/-beamte gerade auf Kur ist.

Wie erreicht man es nun, ein Stück Papier dergestalt zu lochen, daß die Löcher um ca. 5 mm enger zusammenstehen als üblich, ohne einen Locher mit variablen Lochabständen zu benutzen?

Ganz einfach: man legt ein Blatt so vor sich, daß die Schmalseiten oben und unten und die Langseiten links und rechts liegen. Dann faltet man es genau in der Mitte und kneift es links, auf ca. 3-5 cm Länge gut ein. Anschließend stellt man links vom Blatt einen Locher auf, bei welchem der Einführschlitz nach rechts weist. Man schiebt nun das Blatt mit dem Knick voraus von unten so weit in den Locher, daß der Knick 2-3 mm unterhalb der Mittelmarkierung des Lochers liegt und drückt zu. Das Blatt ist nun genau in der Mitte links gelocht, jedoch stehen die Löcher ca. 4-6 mm enger zusammen als es der Norm entspricht. Wenn man anschließend noch den kleinen Knick ein wenig glatt streicht, sieht das Blatt zwar völlig harmlos aus, kann aber den Adrenalinspiegel eines Verwaltungsangestellten/-beamten um ein Vielfaches erhöhen.





§ 2: Der Pedantenschreck

Um den Namen Ordner Lügen zu strafen, verwenden Sie nach Möglichkeit Papier, welches keinem gängigen Normformat entspricht. Verwaltungsangestellte/-beamte ärgern sich erfahrungsgemäß enorm, wenn aus den ihrer Obhut anvertrauten Ordnern irgendwelche überformatigen Blätter heraushängen, ausfransen, zerknicken und verschmutzen.
Solche Papierformate erhält man z.B. als Restabschnitte von Druckereien. Es ist ebenfalls denkbar, sich größere Papierrollen zu besorgen und unhandliche Formate herauszuschneiden. Rufen Sie doch einfach mal ein paar Druckereien in Ihrer Nähe an und fragen Sie, ob der Lagerist für Sie einen Karton Papier-Restabschnitte sammeln kann oder irgendwelche Reste auf Rolle hat, die man nicht mehr verwenden kann. Packpapier (auch in weiß) auf Rollen erhält man übrigens auch in Fachgeschäften für Versandverpackungen.

Besonders zur Verwendung als Beleg für das Finanzamt sind Papierstücke geeignet, die in keine normale Aktenmappe passen (d.h. größer als B4). Diese Stücke sollten stets so beschriftet sein, daß man die wichtigsten Informationen (Name, Überschrift, Summen) nicht lesen kann, wenn man die Ränder so einknickt, daß es A4 Größe besitzt.
Ebenso sollten Ihre Blätter stets so lang sein, daß man sie keinesfalls auf einmal kopieren und verkleinern kann. Das heißt: die Papierenden, auf denen die wichtigsten Informationen enthalten sind (Name, Sozialversicherungsnummer, Datum, Adresse...) müssen über den Erkennungsbereich eines Kopierers hinausragen. Dieser ist i.d.R. ca. 5-6 cm länger als A4.
Diese überformatigen Papierstücke dürfen auf der Rückseite übrigens ruhig bedruckt sein, so daß man hier ganz besonders sinnvoll und umweltschonend alte Kalender recyceln kann.

Wenn Sie hingegen Belege haben, die vermutlich abgeheftet werden, wählen Sie das Format selbstredend so klein, daß man sie nicht mehr lochen kann.





§ 3: Ein Amt sieht rot

Schreiben Sie alles, was voraussichtlich von einem Amt kopiert werden wird, auf intensiv rotes Papier. Ein Schwarz/Weiß Kopierer registriert die Farbe rot grundsätzlich als schwarz. Wenn der Verwaltungsangestellte/-beamte bei einem roten Blatt einen Kopierversuch unternimmt, wird er, je nach Einstellung der Helligkeitsstufe, ein vollständig schwarzes, graues oder ein weißes Blatt erhalten, da für den Kopierer kein Kontrast zwischen Schrift und Papier vorhanden ist.
Selbstredend ist dieses Phänomen nur wenigen Menschen bekannt, so daß der Verwaltungsangestellte/-beamte den armen, unbeteiligten und völlig schuldlosen Kopierapparat wahrscheinlich arg verfluchen oder gar schlagen und treten wird.

Aber es hilft nichts: der Verwaltungsangestellte/-beamte wird wohl oder übel nicht umhin kommen, eine Abschrift*1) im tatsächlichen Wortsinne anzufertigen, falls er keinen Farbkopierer zur Hand hat. Und das hat keiner. Garantiert.





§ 4: Der Kopiererschreck

Eine weiteres schönes Utensil, das Kopieren zur Qual zu machen, ist die allseits beliebte Heftklammer:

Wenn Sie einen Stapel DIN A4-Dokumente bei einem Amt abgeben, welches der Ansicht ist, diesen Stapel kopieren zu müssen, schießen sie in eines der mittleren Blätter möglichst in die Mitte eine Heftklammer hinein. Der Verwaltungsangestelte/-beamte wird vermutlich die Blätter kurz durchsehen, um festzustellen, auf welcher Seite sie beschriftet sind, ob sie zusammengeheftet sind usw., jedoch wird er möglicherweise diese einzelne, tückisch plaçierte Heftklammer in der Mitte eines einzelnen Blattes des Stapels übersehen.

Wenn er nun Ihren Dokumentenstapel in den automatischen Originaleinzug des Kopierers legt, wird diese kleine unscheinbare Klammer dafür sorgen, daß das geklammerte Dokument zum einen hängenbleibt und zum anderen - in den meisten Fällen - zerfetzt wird. Der Verwaltungsangestellte/-beamte wird einige Zeit hart nachdenken müssen, bis ihm eine passende Ausrede einfällt, wieso er eines Ihrer Blätter so grausam mißhandelt und in diesen erbarmungswürdigen Zustand versetzt hat.





§ 5: Der Fetzenreißer

Heftklammern haben zudem noch die wunderbare und herzerfrischende Eigenschaft, daß es - selbst mit einem Klammernentferner - nicht ganz einfach ist, sie aus einem Blatt zu entfernen, ohne ein Stück des Blattes mit herauszureißen. Ganz besonders dann nicht, wenn irgendein Perverser die Heftklammern vorher einzeln mit einem kleinen Hämmerchen so flach zusammengebogen hat, daß man das »Maul« des Klammerentferners nicht mehr unter die Klammerbügel zwängen kann. Die bevorzugten Stellen für das Anbringen und Festschlagen von Heftklammern sind daher alle wichtigen, aber kleingedruckten Informationen (Telefonnummer, Datum, Adresse, Steuernummer, Sozialversicherungsnummer, Umsatzsteueridentifikationsnummer etc.), welche bei einer Heftklammektomie unweigerlich ins Nirwana verschwinden werden.

Außerdem: wenn sie eine Menge verschiedenformatiger Belege haben, sollten diese wie folgt zusammengeklammert werden: zwei Stück aufeinanderlegen, klammern, neues Blatt obenauf, klammern, neues Blatt obenauf, klammern, neues Blatt obenauf, klammern, neues Blatt obenauf, klammern usw. Achten Sie bitte stets darauf, daß man die Quintessenz der Belege nicht lesen bzw. kopieren kann, ohne sämtliche Klammern vollständig entfernen zu müssen. Es ist zwar nicht immer ganz einfach, die optimale Befestigungsreihenfolge herauszufinden, aber es macht - angesichts der Vorstellung, wie mühsam die Entfernung der Klammern sein wird - Spaß, trainiert das logische Denkvermögen und ist daher unglaublich gesund.





§ 6: Die Blasphemie

Die Ikone des Amtes, das Sinnbild des Verwaltungsapparates, der Tabernakel der Bürokratie ist natürlich die Büroklammer. Sie dient u.a. dazu, thematisch zusammengehörige Dokumente aneinander zu heften, so daß man sie jederzeit auseinandernehmen, kopieren, an andere Abteilungen weiterleiten, ausfüllen usw. kann, ohne die Zerstörung einer der Seiten befürchten zu müssen.

Das bedeutet für Sie: Büroklammern sind die idealen Werkzeuge, um dem Verwaltungsangestellten/-beamten in fatal-hinterhältiger Weise leichtes Spiel zu suggerieren, während die primäre Zielsetzung in Wahrheit schlichtweg die simple Demütigung des Verwaltungsangestellten/-beamten ist.

Wie das geht? Ganz einfach:
Wenn man z.B. 6 Blatt an ein Amt abzugeben hat, klammert man 4 Stück mit einer Heftklammer oben links zusammen, legt oben und unten die restlichen beiden Blätter darüber und steckt genau über der Heftklammer eine Büroklammer auf. Dies an sich sorgt zwar vielleicht schon für Verwunderung, ist aber noch nicht weiter tragisch.
Den entscheidenden Schlag gegen das Selbstbewußtsein des Verwaltungsangestellten/-beamten führt man, wenn man die Büroklammer und die Heftklammer vorne und hinten mit ein paar Tropfen flüssigem Sekundenkleber fixiert...





§ 7: Das Hymen

Briefumschläge an kleinere Ämter, Polizeidienststellen usw. können so verschlossen werden, daß man nirgendwo einen Brieföffner einstecken kann. Dieses winzige Detail, das vom Brieföffnungsbeauftragten meist nicht als Vorsatz erkannt, sondern als Versehen oder Gedankenlosigkeit interpretiert wird, ist eine der widrigsten und zeitraubendsten Listen, die man einem Verwaltungsangestellten/-beamten antun kann. Der hermetische Verschluß kann professionell erledigt werden, indem man den Umschlag vorsichtig an seinen Nähten auftrennt und den Rand lückenlos verklebt (fällt erst auf, wenn man den Brieföffner ansetzen will) oder man verstärkt die Briefränder mit etwas transparenten Klebefilm (oder PVC-Packband bei großen Umschlägen) oder man klebt die Briefmarke »um die Ecke«, oder man bastelt sich seine eigenen, vollständig geschlossenen Umschläge oder man klebt von innen transparenten Klebefilm ein usw.
Ein ganz besonders heißer Tip zur »Verstärkung« von großen Briefumschlägen (C5, C4), bei der rein zufällig und unerwarteterweise auch die Brieföffnerzugangsöffnungen verstopft werden, ist übrigens das sog. Filament-Klebeband (faserverstärktes Schwerlast-Klebeband), das man, selbst wenn man den Brieföffner als Stichwerkzeug einsetzt, nicht in einem Zug zerreißen kann, da das Band immer nur von Faser zu Faser reißt.

Da wird der Verwaltungsangestellte/-beamte wohl seine an Abteilung IIc/A verliehene Schere zurückbeantragen müssen, bevor er Ihren Brief aufbekommt.





§ 8: Recycling macht Laune

Ganz besonders lobenswerte Eigenschaften haben übrigens mit Altpapier gepolsterte Briefumschläge, deren Öffnungsklappe mit Filament- oder PVC-Klebefolie großflächig verklebt sind. Der Verwaltungsangestellte/-beamte wird bei einem so präparierten Umschlag nämlich unweigerlich die Altpapier-Polsterung mit der Schere oder einem Messer freilegen müssen, um an den Inhalt zu gelangen. Die graue, widerliche Polstermasse ergießt sich danach unverzüglich in extrem unangenehm klebrig-staubigen Strömen auf seine Gabardine-Hose und frißt sich sofort tief und mit der Hand unverwischbar in die Stoffporen.
Man sieht: Recycling-Polsterbriefumschläge sind nicht nur gut für die Umwelt, gut für den Kurs der »Aktie Gelb«*2) und gut für ein reines Gewissen, sondern sind, wenn man mit ihnen umzugehen weiß, echte Spaßbringer .





§ 9: Wer heißt hier Arnold?

Eine der tückischsten Fallen für den brieföffnungsbeauftragten Verwaltungsangestellten/-beamten sind die hierzulande relativ wenig bekannten glasfaserverstärkten Briefumschläge. Diese Umschläge sind in verschiedenen Formaten erhältlich (auch Standardbrief) und haben folgende Eigenschaften:

a) im Gegensatz zu Filamentklebeband sind die Fasern bei glasfaserverstärkten Umschlägen so fein, daß man sie kaum als solche erkennt. Das heißt: Der Umschlag sieht beinahe so aus, als ob er aus Papier bestünde
b) das Material ist zumindest für einen Verwaltungsangestellten/-beamten unzerreißbar.

Man kann den Umschlag zwar mit einer Schere oder einem scharfen Messer sehr leicht zerschneiden, jedoch wird der Verwaltungsangestellte/-beamte mit Sicherheit, ahnungslos wie er ist, erst einmal den Brieföffner zücken, arg ins Schwitzen geraten und nicht zu unrecht an all seinen Kompetenzen zweifeln. Leider ist es jedoch nicht ganz einfach, diese Umschläge im Handel zu finden. Versuchen Sie es am besten bei Händlern für Verpackungsmaterialien. Es lohnt sich!





§ 10: Bastelkunst vs. HiTech

Obige Verhaltensmaßregeln erzielen Ihre Wirkung, wie erwähnt, unglücklicherweise nur in kleineren Ämtern. Größere Institutionen, wie z.B. die statistischen Bundesämter besitzen automatische Brieföffner, die ca. 1-2 mm der oberen Briefkante auffräsen.
Diesem viel zu mühelosen Zugang zu Ihren wertvollen Unterlagen schieben Sie einen Riegel vor, wenn Sie überformatige (aber noch postzugelassene) Umschläge verwenden, die Sie vorsichtig an den Nähten zerlegen, das Dokument falten, einlegen und dann alle vier Kanten auf 5 mm Breite verkleben und zusätzlich auch noch sämtliche weiteren Schlitze brieföffnersicher verschließen. Auch hier leistet PVC- oder Filamentklebeband herausragende Dienste, denn diese unentbehrlichen Helferlein kann ein automatischer Brieföffner meist nicht - bzw. nur bis zur nächsten Faser - durchtrennen.

Der Idealfall sieht so aus: Legen Sie Ihr eigentliches Schreiben in ein DIN lang-Standardkuvert, dessen vier Kanten und sämtliche Öffnungen Sie sorgfältig mit transparentem Klebefilm von innen verkleben, so daß es von außen harmlos aussieht. Dieses Kuvert kommt wiederum in ein maximal-Standardbriefkuvert (125 x 230 mm; kaufen oder basteln), bei dem sie wiederum den gesamten Rand und die Öffnungen von innen mit Klebefilm verkleben. Sicherheitshalber können Sie ja noch den oberen und unteren Rand auf 5 mm Breite mit Flüssigkleber sichern, damit die Briefauffräsmaschine, selbst wenn sie das PVC-Band schaffen sollte, den Brief trotzdem nicht entblößen kann. Der Verwaltungsangestellte/-beamte wird allein für Ihr Schreiben schätzungsweise 1-2 Minuten benötigen, bis er es aufbekommt!





§ 11: Der Terminator-Effekt

Eine anmutige, herrliche und sehr beliebte Verwaltungsangestellten/-beamtenüberraschung sind Schriftstücke, die beim Öffnen des Umschlags automatisch zerstört werden.

Wie das geht?
Falten Sie ein DIN A4-Blatt für einen Sichtfensterumschlag im Format DIN lang einfach nach folgendem Verfahren: Legen Sie das Blatt mit der Leseseite (=Innen) zu Ihnen, mit der Langseite oben/unten und der Schmalseite links/rechts vor sich hin. Falten Sie das obere Drittel wie üblich an der dafür zumeist angebrachten Markierung nach außen. Den längeren Teil biegen Sie so nach innen, daß der Falz hinter dem vorderen Teil um 2-5 mm herausragt. Knicken Sie dieses Stück nur ganz sanft, so daß es gerade eben hält (z.B. nur in der Mitte festdrücken, nicht auf die ganze Breite falten), damit sich dort an den Rändern jeweils eine Schlaufe bildet.
Wenn Sie den Brief nun in einen Standard-Fensterbriefumschlag stecken, ist der überhöhte Falz i.d.R. genau auf dem gleichen Niveau wie die Brieföffnereinführöffnungen des Umschlages (ausprobieren!).

Dies allein würde für einen automatischen Brieföffner völlig ausreichen, da er den überlangen Teil Ihres Briefes einfach mit auffräst. Allerdings haben die meisten Briefumschläge zusätzlich noch seitliche Führungslaschen, die verhindern sollen, daß man mit dem Handbrieföffner den Inhalt des Briefes beschädigt. Das heißt für Sie, daß der oberste Zentimeter der Führungslasche unbedingt entfernt oder zumindest eingeschnitten und hinter den eigentlichen Brief gesteckt werden muß, damit folgendes passiert:

Sobald der Verwaltungsangestellte/-beamte einen Brieföffner in den präparierten Umschlag einführt, wird er ihn unweigerlich auch in die Schlaufe Ihres Schreibens mit einführen und das hintere Drittel des Briefes beim Aufreißen abtrennen.

Das kann, je nach Art und Wichtigkeit des Dokumentes, bei einem Verwaltungsangestellten/-beamten einen massiven Erklärungsnotstand verursachen.





§ 12: Der anhängliche Briefumschlag

Briefumschläge mit gummierter, dreieckiger Lasche weisen manchmal den fatalen Konstruktionsfehler auf, daß die befeuchtete Gummierung nicht am unteren Umschlagteil, sondern auf dem Schriftstück haften bleibt. Dies ist zwar äußerst selten, aber es kommt vor. Wenn Sie jemals einen Stapel Briefumschläge mit diesem Fehler finden, verwenden Sie ihn selbstverständlich ausschließlich für Ihren Schriftverkehr mit Behörden.
Briefumschläge mit gummierter Lasche haben außerdem die Eigenschaft, daß man die Lasche einfach nur lose einstecken kann, damit der Brief - postalisch gesehen - nicht verschlossen ist, aber dennoch der Inhalt nicht herausfällt. Diese Bauart stammt noch aus der guten alten Zeit der Drucksache / Briefdrucksache und findet heutzutage in erster Linie nur noch beim Weihnachtskartenversand Anwendung.

Allerdings ermöglicht diese antiquierte Konstruktionsweise folgende Hinterlist:
Stecken Sie die Lasche doch einfach mit befeuchteter Gummierung ein, so daß sie am Schriftstück und nicht am Umschlag klebenbleibt. Das sorgt für Spaß und Spannung beim Dekuvertieren des unersetzlichen Dokuments. Vor allem dann, wenn Sie das Schriftstück so gefaltet haben, daß die gummierte Lasche auf der Schriftseite klebt.

Das ganze läßt sich übrigens noch auf die Spitze treiben, wenn Sie die dreieckige Lasche nicht nur am Brief, sondern auch am Rest des Umschlags festkleben, indem Sie einfach die Ränder der Dreieck-Lasche innen und außen mit Papierkleber bestreichen: der Brief sieht anschließend völlig unverdächtig und genau wie vom Konstrukteur vorgesehen verschlossen aus, nur ist jetzt die scheinbare »Verschlußlasche« unten. Wenn man dann auch noch die Adresse auf der Vorderseite verkehrt herum schreibt, wird der Briefempfänger in jedem Fall einen Konstruktionsfehler annehmen und garantiert niemals auf die Idee kommen, daß irgendein teuflischer Schalk den Umschlag absichtlich am Brief festgeklebt hat.

Sie können aber selbstverständlich bei jeder anderen Art von Briefumschlägen Ihr Schriftstück genausogut unten oder seitlich innen mit Alleskleber festkleben, so daß Sie keineswegs auf eine bestimmte Art von Briefumschlägen festgenagelt bleiben müssen.





§ 13: Schöner zahlen

Eine ganz besonders beliebte und seit Jahren etablierte Variante der Selbstzerstörung von lebenswichtigen Dokumenten ist der Versand von Verrechnungsschecks in DIN lang-Fensterbriefumschlägen.
Verrechnungsschecks sind normalerweise zum Versand in C6-Fensterumschlägen vorgesehen, jedoch müßte man da schließlich zusätzliche Umschläge nur für den Versand von Schecks kaufen...

Es ist wesentlich einfacher, den Scheck im Briefumschlag mit einem Streifen transparenten Klebefilm so zu fixieren, daß das Adreßfeld des V-Schecks stets gut lesbar im Sichtfenster des Umschlages bleibt und nicht verrutschen kann. Idealerweise klebt man den Klebestreifen natürlich genau innen in den oberen Falz des Briefumschlages, so daß man mit dem Brieföffner zwangsläufig kurz hängenbleibt, etwas rüder weiterarbeitet und dadurch entweder den Umschlag oder aber, wenn der Absender Glück hat, den V-Scheck zerfetzt. Das funktioniert selbstredend besonders gut mit Schecks, bei denen die Lasche für Mitteilungen an den Empfänger beschriftet und daher mitgeschickt wird.





§ 14: Der Fakirbrief

Sämtliche Sendungen, die voraussichtlich automatisch sortiert oder von Beleglesegeräten gelesen werden (Überweisungen etc.), sollten stets jede Menge Büroklammern, Heftklammern usw. (je mehr, desto besser) enthalten. Das sorgt für stundenlangen Spaß in der Sortierstraße.





§ 15: Handwerk hat goldenen Boden

Jedweder Schriftverkehr, der von Amts wegen nicht maschinell erstellt werden muß, sollte unbedingt handschriftlich ausgeführt werden. Das ist Ihnen zuviel Arbeit? Na, lassen Sie Ihre per EDV erstellten Tabellen, Berechnungen, Statistiken usw. doch einfach vom Nachbarskind für einen kleinen Obolus abschreiben!
Es sorgt nämlich ganz gewiß für tiefste Verwunderung, wenn juristisch korrekt und geschäftsüblich höflich formulierter Schriftverkehr mit Behörden (z.B. Anträge auf Vollstreckung eines Gläubigers, Steuererklärungen...) in einer Kleinkinderschrift (natürlich ohne Rechtschreibfehler) geschrieben werden. Oder schreiben Sie Ihre Anträge doch einfach mit einem weichen Blei- oder Filzstift, den sie senkrecht in die Faust nehmen. Oder mit dem Gänsekiel. Oder mit extrem patzenden Kugelschreibern. Oder mit verschiedenfarbigen Buntstiften. Oder mit Fingerfarbe. Oder mit rosa Textmarker. Der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt.

Aber: wenn Sie schon maschinell schreiben müssen, dann bitte wenigstens so klein und/oder auf einem feingemusterten, stark kontrastierenden Hintergrund, daß der Verwaltungsangestellte/-beamte schon vom bloßen Hinsehen Kopfschmerzen bekommt.





§ 16: Der sparsame Antrag

Wenn Sie irgendwo einen Antrag formlos stellen können, heißt das nicht nur, daß Sie kein Formular benötigen, sondern Sie müssen ihn auch nicht unbedingt in Form eines langweiligen und teuren Briefes an das Amt schicken. Zumeist sind solche Anträge nämlich so kurz und knapp (»Aktenzeichen, Datum; Hiermit beantrage ich die Gewährleistung Nr....; Ort, Datum Unterschrift, Absenderadresse«), daß man sie problemlos auf einer Postkarte unterbringen kann.
Nehmen Sie aber bitte nicht etwa die fertigen Postkarten von der Deutschen Post AG (mit der aufgedruckten Briefmarke) oder gar etwa teure Ansichtskarten, sondern schneiden Sie z.B. aus einem leeren Pappkarton (Kartoffelknödel, Kabeljaufilet, Kondome, Kekse...) einfach ein postkartengroßes Stück aus oder nehmen Sie irgendein Foto aus dem Familienalbum oder verwenden Sie eine postkartengroßen Postwurf-Werbesendung, kleben Sie - falls nötig - noch ein Stück weißes (oder besser: rotes) Papier auf die Beschriftungsseite und ab damit in den Briefkasten: ein paar Cent gespart und der Verwaltungsangestellte/-beamte wird Ihren Antrag (aus Mitleid, weil er Sie für vollkommen schwachsinnig hält) entweder sofort bearbeiten oder aber wutentbrannt vorsätzlich verzögern, was natürlich von Ihnen wiederum unverzüglich mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde*3) quittiert wird.

Längere Anträge könnte man übrigens z.B. auf mehrere Postkarten verteilen, die man, wenn man will, vielleicht gleichzeitig abschickt und am besten durchnumeriert. Eleganterweise könnte dabei versehentlich eine Nummer ausgelassen werden, damit der Verwaltungsangestellte/-beamte eine Woche lang sucht, ohne die scheinbar fehlende Karte jemals zu finden.





§ 17: Der sparsamere Antrag

Wenn Ihr Amt ganz in der Nähe ist und einen Briefkasten besitzt, dann können Sie den Schriftverkehr natürlich in jeder beliebigen Form durchführen. Schreiben Sie Ihre Anträge auf ein Stück Wellpappe, auf ein Stück vollständig sauber entgratetes Blech (mit wasserfestem Folienstift) auf eine saubere, transparente Plastiktüte, auf ein Stück Kunststoff-Furnierimitat-Folie usw.

Vorsicht: verwenden Sie aber auf gar keinen Fall Materialen, deren Empfang der Verwaltungsangestellte/-beamte als versuchte Körperverletzung auslegen könnte.
Fäkalienverschmierte Gegenstände, scharfkantige Bleche, Glasscherben, ölbesudelte Kartonagen, gebrauchte Damenbinden, pornographische Fotografien, rohe Schweineschnitzel, faulendes Obst*4) und ähnliches darf man auf gar keinen Fall als Informationsträger benutzen, da man ansonsten mit Wahrscheinlichkeit ausgrenzender Sicherheit einer strafbaren Handlung bezichtigt und zu einer Bußgeldzahlung oder gar Freiheitsstrafe verurteilt würde !





§ 18: Der Kugelschreiberkiller

Falls Sie Dokumente zu einer Behörde bringen, bei denen ein Verwaltungsangestellter/-beamter eine handschriftliche Eintragung vornehmen muß (z.B. Freibetrag einer Lohnsteuerkarte), sollten Sie doch einfach einmal folgende Prozedur ausprobieren:

Kaufen Sie sich im nächsten Baumarkt einen möglichst feinkörnigen Schleifstift mit Spannschaft ø 3 oder ø 6 mm aus Siliziumkarbid oder Korund, stecken Sie ihn in eine Bohrmaschine und schleifen damit auf z.B. einem Stück alten Metalls herum, bis der Stift verbraucht ist. Vorher haben Sie in unmittelbarer Nähe, aber nicht genau an der einen winzigen Stelle, an welcher Funkenflug herrscht, Ihr Dokument hingelegt und eine Atemschutzmaske und einen Augenschutz aufgesetzt.
Das Dokument falten Sie nach dem Einstauben nun vorsichtig zusammen, so daß der gesamte Schleifstaub auf dem Blatt verbleibt und tragen es zum Amt. Kurz vor Betreten des Gebäudes öffnen Sie das Blatt und lassen den überschüssigen Schleifstaub sanft zu Boden fallen. Keine Angst, es befinden sich jetzt noch jede Menge Metall- und Schleifmittelpartikel in dem Blatt.

Der Verwaltungsangestellte/-beamte, welcher nun die Eintragung macht, wird lediglich feststellen, daß sich das Schreiben mit dem verwendeten Kugelschreiber irgendwie merkwürdig rauh anfühlt.
Spätestens jedoch bei der nächsten Eintragung, die er mit diesem Kugelschreiber macht, wird sich dessen Kugel festfressen und er kann den Stift - oder zumindest die Mine - wegschmeißen, ohne daß er irgendwelche Beweise gegen Sie in der Hand hätte.





§ 19: Der Kugelschreiberverweigerer

Eine andere erbauliche Variante für das Verhindern amtlicher Eintragungen bietet selbstdurchschreibendes Papier.

Versuchen Sie, ob Sie - z.B. in Form von Resten bei einer Druckerei - oder im Bürobedarfhandel neutrale, selbstdurchschreibende Briefbögen bekommen können. Wenn Sie etwa alte Rechnungsformulare verwenden, könnte der Verwaltungsangestellte/-beamte nämlich Lunte riechen. Ein selbstdurchschreibender Zweifach-Briefbogen läßt sich auf drei der vier möglichen Seiten problemlos beschriften, jedoch versagt auf der Rückseite des Originalblattes jeder Kugelschreiber.
Nichtsdestotrotz läßt sich diese präparierte Rückseite ohne weiteres mit einem Laserdrucker, einer Carbonband-Schreibmaschine oder mit einem (dünnen 0,5er) Filzstift wischfest beschriften*5).
Das wunderbare daran ist, daß eine präparierte Selbstdurchschreibe-Oberfläche nicht anders als ein normales Stück Papier aussieht. Sie können darauf wetten, daß der Verwaltungsangestellte/-beamte mindestens einen Kugelschreiber wegwirft, bevor er bemerkt, daß einzig und allein Ihr Papier die Ursache für das Nichtansprechen seines Schreibuntensils ist.





§ 20: Ex und hopp

Haben Sie Dokumente abzugeben, die länger archiviert werden sollen? Diese Dokumente sollten Sie sich von einem Thermopapier-Fax ausdrucken lassen (an einen Bekannten faxen), Original-Unterschrift darunter, evtl. noch schön plattdrücken und Kopf- und Fußzeile abschneiden und abgeben. Selbst wenn der Verwaltungsangestellte/-beamte das Blatt ausnahmsweise nicht auf den Ofen legt, oder mit wasserfestem Filzstift etwas auf die Rückseite (oder ein darüberliegendes Blatt) schreibt oder in die Nähe seiner Zigarette bringt, sondern ordnungsgemäß dunkel, trocken und kühl lagert, kann man in einigen Jahren auf dem Papier trotzdem nichts mehr erkennen.

Wenn Ihnen das zu lange dauert, sollten Sie die Quintessenz des Dokuments, also die Daten, auf die es wirklich ankommt, mit Textmarker-Filzstift markieren. Diese markierten Stellen verschwinden nämlich schon nach wenigen Tagen und der Verwaltungsangestellte/-beamte findet ein Blatt vor, bei dem genau diejenigen Positionen, welche die einzig wichtigen Daten enthalten sollten, deutlich farblich hervorgehoben sind, jedoch genau an diesen Stellen keinerlei Text mehr lesbar sind.





§ 21: Ihr Geld, ein Arbeitgeber

Bargeldlose Zahlungen dürfen, falls keine Formvorschrift gegeben ist, selbstredend nicht per (zumeist mitgelieferten) vorgedruckten Überweisungsträgern geleistet, sondern müssen unbedingt mit handschriftlich ausgefüllten Überweisungsträgern Ihrer eigenen Bank ausgeführt werden. Dies erhöht den Verwaltungsaufwand für Ihren Zahlungseingang um mehrere 100 Prozent und schafft dadurch jede Menge Arbeitsplätze. Damit Sie sich dabei nicht allzu sehr ins eigene Fleisch schneiden*6), sollten Sie diese Zahlungsweise nicht unbedingt bei steuergeldfinanzierten Behörden, sondern in erster Linie bei stark konkurrenzabhängigen Privatunternehmen (Versicherungen, Versandhäuser u.v.a.m.) durchführen.

Es sorgt immer für ein großes Hallo bei Verwaltungsangestellten, wenn man zum Beispiel:


auf dem Überweisungsträger den Zahlungsgrund nicht oder unvollständig angibt

für mehrere Personen gleichzeitig bezahlt

Zahlungen nicht in chronologischer Reihenfolge durchführt (z.B. eine bereits angemahnte Rechnung nicht bezahlen aber dafür alle neueren Rechnungen mit Skonto)

Teilzahlungen leistet (wenn möglich auf mehrere verschiedene Konten des Empfängers)

zu viel oder doppelt bezahlt und sofort um Rücküberweisung bittet





§ 22: Der Ziffernschänder

Ein nur selten beachtetes, aber nichtsdestotrotz hochbrisantes Detail im Schriftverkehr mit Verwaltungsangestellten/-beamten ist die im Kopfbereich eines Amtsschreibens stets vorhandene, scheinbar sinnlose alphanumerische Zeichenfolge, die im Fachjargon als Aktenzeichen bekannt ist.
Verwaltungsangestellte/-beamte beharren bei Schriftverkehr meist in Form der rural-flegelhaften Imperativkonstruktion Bitte immer angeben! auf, nun, Angabe des sogenannten Aktenzeichens. Ohne dasselbe scheint eine Bearbeitung eines Vorganges von Amts wegen nicht möglich zu sein. Dies läßt gar den Schluß zu, daß das Aktenzeichen die Existenzberechtigung, wenn nicht gar die Grundlage der Existenz einer Akte schlechthin zu sein scheint. Dies birgt aber eine Angriffsfläche, deren exzessive Nutzung so manchen Verwaltungsangestellten/-beamten in eine Nervenheilanstalt zwangsübersiedeln ließe. Aktenzeichen bestehen nämlich immer aus allerhand Buchstaben und Ziffern, welche dem geübten Verwaltungsangestellten-/beamtenauge in Stundenbruchteilen verraten sollen, in welchem Teil welchen Schranks er nach der gewünschten Akte zu wühlen hat.

Würde nun aber ein arger Schalk Bezug auf ein Schreiben nehmen und dabei rein zufällig die Ziffernfolge eines Aktenzeichens minimal ändern, so resultierte daraus neben einem gerüttelt Maß an Ärger und Streßhormonen beispielshalben a) die Nichtauffindbarkeit der Akte, b) eine mittagspausenverzehrende Suche danach oder idealenfalls c) die Verwechslung zweier Vorgänge und die Benachteiligung/Begünstigung einer anderen Nichtamtsperson, welche dies wiederum im für sie ungünstigeren Falle dem zwei Hierarchieebenen höher verweilenden Verwaltungsangestellten/-beamten mitteilen wird, was erneut die vermehrte Ausschüttung von Streßhormonen produzieren mag.
Von besonderem Interesse sind hierbei auf den ersten Blick nicht erkennbare Fälschungen, wie z.B. simple Ziffernauslasser. Aktenzeichen enthalten in der Regel zwei Ziffern, die dem Datum entsprechen (z.B. 03 für 2003). Es ist daher simpel aber effektiv, aus Versehen z.B. 02 statt 03 anzugeben, was aber nur zu gemäßigt zeitraubenden Suchaktionen führen wird. Interessanter ist schon das Verdrehen von Ziffern, wie z.B. 116/528 statt 116/582. Denn dies mag nicht nur dafür sorgen, daß zufälligerweise am vermuteten Auffindungsort ansässige Aktenmappen wutentbrannt gegen Wände geklatscht und in der Luft zerrissen werden, sondern kann bei manch Unbeteiligten üble Folgen haben, falls der Verwaltungsangestellte/-beamte ein rechter Schlamper ist und z.B. den Namen der betroffenen Person übergeht. Dies jedoch führt bekanntermaßen zu Beschwerde bei der übernächsthöheren Stelle und langjährigem Beförderungsstop für den einst Zornentbrannten.

Nun ist jedoch selbst im Verwaltungsangestellten/-beamtenmilieu hin und wieder schon Datenverarbeitungsmaschinerie vorhanden, welche u.a. Aktenzeichen erzeugt, die eine sogenannte Prüfziffer enthalten, welche eine fehlerhafte alphanumerische Kombination von Amts wegen gar nicht zur Eingabe gelangen läßt. Hier muß selbstredend der Maltraitierer schwereres Geschütz auffahren und schlechthin eine Ziffernkombination erfinden, welche die Kriterien der Prüfziffernvergabe erfüllt. Dies bewerkstelligt der im Umgang mit Verwaltungsangestellten/-beamten Erfahrene durchaus problemlos durch einfache Zuhilfenahme der Informationen auf dieser Seite: www.pruefziffernberechnung.de. Diese informiert über die gängigsten Prüfziffernverfahren und ermöglicht die Herstellung von falschen aber wasserdichten Aktenzeichen. Dadurch kann man ohne großes Zutun mit einem einzigen Anschreiben bienenfleißige Beschäftigung erschaffen, die einen ganzen lieben langen Tag anhält.





§ 23: Emanzipation

Haben Sie Hochachtung für Verwaltungsangestellte/-beamte?
Unterwerfen Sie sich gerne den infantilen Spielregeln einer weltfremden, veralteten, lächerlich ineffektiv arbeitenden Bürokratie?
Ja?
Wirklich???
Glaub? ich Ihnen nicht!

Um den Verwaltungsangestellten/-beamten stets spüren zu lassen, daß Sie kein Hausierer und Bittsteller, sondern derjenige sind, der des Beamten Brötchen zahlt, müssen Sie beim Schriftverkehr darauf achten, sich niemals unter das Niveau des Verwaltungsangestellten/-beamten zu formulieren.

Am unverdächtigsten - und damit für Ihren Zweck am besten geeignet - ist der in der Privatwirtschaft übliche professionelle höflich-aber-bestimmt-Ton. Es gibt gewisse geschäftsübliche Floskeln, die zwar einerseits sehr freundlich wirken, jedoch in Wahrheit ein - vom Verwaltungsangestellten/-beamten sehr wohl verstandener - deutlicher Befehl sind.

Die Damen und Herren im ersten Satz des Briefes sind immer noch sehr geehrt, da wird sich wohl in nächster Zeit nichts ändern. Wenn Sie jedoch ihren Sachbearbeiter namentlich kennen, hat man schon wieder eine Gelegenheit für hinterhältige Sticheleien. Ist Herr oder Frau Müller zuständig, schreiben Sie den Namen, wenn nötig, nur in die Empfängeranschrift (»z.Hd. Herrn Müller« / »z.Hd. Frau Müller«), aber beginnen den Brief trotzdem mit »Sehr geehrte Damen und Herren«. Ist das Geschlecht des Sachbearbeiters nicht bekannt (zuständig: G.Müller), sollten Sie anonym in dem vorgesehenen Amt anrufen und sich mit »Herrn oder Frau Müller« verbinden lassen. Irgendjemand dort wird Ihnen schon verraten, welchen Geschlechts G.Müller ist. Sobald Sie das wissen, legen Sie einfach auf.
Diese Prozedur ist unbedingt notwendig, damit Sie Gisela Müller mit »Sehr geehrter Herr Müller« und Giselher Müller mit »Sehr geehrte Frau Müller« anschreiben können. Das bringt Ihnen garantiert schon jede Menge Sympathiepunkte beim zuständigen Verwaltungsangestellten/-beamten ein.

Wenn Sie eine Leistung aus purer subjektiver Willkür*7) des Verwaltungsangestellten/-beamten nicht erhalten haben, obschon Sie Ihnen eigentlich zugestanden werden könnte, beginnen Sie einen entsprechenden Hinweis mit »Offenbar wurde versehentlich vergessen / übersehen, daß...«

Implizieren Sie in einen formlosen Antrag auf eine Sonderleistung stets die höflich-aber-bestimmte Aufforderung, Ihnen eine etwaige Ablehnung zu begründen. Im Gegensatz zur Privatwirtschaft, die bekanntermaßen weiß, daß die Kunden ihre Brötchengeber sind (ehemalige Staatsbetriebe sind dabei natürlich Ausnahmen), halten es Behörden und Ämter nämlich meist nicht für notwendig, Entscheidungen jeglicher Art in irgendeiner Form zu begründen.
Daher sollte auf ein »Hiermit beantrage ich...« stets ein »Falls nicht, wäre ich Ihnen für eine Begründung sehr dankbar« oder, was viel eleganter ist, ein »Bitte geben Sie mir Bescheid, falls Sie noch weitere Angaben/Unterlagen benötigen« folgen.

Nach Erhalt eines nicht ausreichend begründeten ablehnenden Bescheides sollten Sie unbedingt wieder einen Brief an das Amt richten und in etwa folgendes schreiben: »Offensichtlich wurde versehentlich vergessen, mir mitzuteilen, aufgrund welcher Gesetze mir die beantragte Leistung verweigert wird.«
Dies löst nämlich bei Verwaltungsangestellten/-beamten sofort die Alarmglocken aus, da er genau weiß, daß Sie seine juristische Begründung, wenn Sie nicht 100%ig wasserdicht ist, sofort - nein, nicht ans Gericht, sondern - an die nächsthöhere Instanz der Behörde weiterleiten werden. Wie schon erwähnt: es hat keinen Sinn sich z.B. beim Finanzamtsleiter über irgendeinen seiner Untergebenen zu beschweren. Wenn Sie Erfolg haben wollen, müssen Sie sich gleich beim Leiter der zuständigen Oberfinanzdirektion über Ihr gesamtes Finanzamt beschweren.

Jetzt kommt?s: Die wirkliche Emanzipation des Steuerzahlers vom preußischen Beamtentum manifestiert man elegant, aber nichtsdestotrotz wirkungsvoll im Satz vor der Schlußfloskel, indem man den Verwaltungsangestellten/-beamten dazu auffordert, etwas zu tun bzw. etwas schnell zu tun. Die nachfolgenden Mustersätze implizieren nämlich, daß der Verwaltungsangestellte/-beamte den ganzen Tag nur in der Nase bohrt und darauf wartet daß ihm jemand befiehlt, seinen Aufgaben nachzukommen:

»Für entsprechende Erledigung/Bearbeitung danke ich bestens im voraus.«

»Für baldige Erledigung/Bearbeitung danke ich bestens im voraus.«

»Für umgehende Erledigung/Bearbeitung danke ich bestens im voraus.«

Als höfliche Schlußfloskel eines Briefes darf auf gar keinen Fall »Hochachtungsvoll«, sondern grundsätzlich nur »mit freundlichen Grüßen« geschrieben werden. Klar, daß Sie den Verwaltungsangestellten/-beamten genausowenig freundlich grüßen wollen, wie Sie Hochachtung vor ihm haben, jedoch setzen Sie ihn mit dieser Standardfloskel höflich-aber-bestimmt auf gleiches Niveau.
Ein wirklich unhöflicher Brief endet übrigens mit »Zu Ihrer geschätzten Kenntnisnahme« (zzgl. Unterschrift).

Unterlassen Sie es aber nach Möglichkeit. beim Text irgendwelche zotigen Kalauer anzubringen (»Geringschätzend, Ihr...« o.ä.) anzubringen, denn Sie wollen dem Briefempfänger schließlich mit Nachdruck und für alle Zeiten verdeutlichen, daß Ihr Niveau in puncto Intelligenz, Bildung und Manieren um Größenordnungen über dem des Verwaltungsangestellten/-beamten steht. Schließlich lesen Sie ja auch Planet Herrmann und nicht die BILD-»Zeitung«.

Es ist prinzipiell gesehen viel effektiver, den Verwaltungsangestellten/-beamten mit der Tücke des Objekts zu konfrontieren, als ihn mit Worten, die sogar er zu verstehen in der Lage ist, zu beleidigen.





§ 24: Der Bezugnahmetrick

Einer der ältesten aber immer noch effektivsten Möglichkeiten Verwaltungsangestellten/-beamten Tobsuchtsanfälle zu entlocken, ist die Bezugnahme auf Dokumente, die niemals existiert haben.
Diese Taktik wendet man in der Regel automatisch an, wenn man irgendwelche Fristen versäumt hat (»...wie bereits in meinem Schreiben vom 01.02. mitgeteilt...«), jedoch sind Verwaltungsangestellte/-beamte inzwischen derart abgebrüht, daß sie dem Schreiber eines solchen Satzes von vornherein nicht glauben werden, daß sein Schreiben bei der Post verlorengegangen sei.

Hingegen ist es ein absoluter Knüller, wenn man sich auf ein nichtexistentes Schreiben bezieht, von welchem die Behörde einen immensen Vorteil hätte und der zuständige Verwaltungsangestellte/-beamte damit vielleicht sogar Verwaltungsangestellter/-beamter des Monats werden könnte, wenn... ja, wenn dieses Schreiben jemals geschrieben worden wäre.

Fragen Sie doch z.B. mal schriftlich bei Ihrem Finanzamt nach, auf welches Konto Sie Ihre Steuerschuld in Höhe von ? 825.345,93 lt. ESt-Bescheid v. 01.08. überweisen sollen, da Sie versehentlich einen Tintenfleck auf dem Bescheid angebracht haben und die Bankverbindung daher nicht mehr lesbar ist. Weisen Sie darauf hin, daß Sie das Geld auch gerne in bar vorbeibringen könnten, aber nicht wüßten, ob das ginge bzw. wann die Finanzkasse denn geöffnet habe.
Sie werden zwar vermutlich nur eine Kurzmitteilung über die Bankverbindung erhalten, jedoch können Sie sicher sein, daß sich ein gut Teil der Finanzbeamten mindestens dreieinhalb Stunden lang gegenseitig lauthals angebrüllt und anschließend den Rest des Tages schluchzend in der Ecke hockend verbracht hat.





§ 25: Der Unerreichbare

Ihr Telefon oder -fax (und in etwa 10-20 Jahren auch Ihre E-Mail-Adresse) ist für Verwaltungsangestellte/-beamte grundsätzlich tabu. Geben Sie niemals Ihre Telefonnummer bei Ämtern, Behörden, gesetzlichen Krankenkassen und ähnlichen nicht kundenorientiert arbeitenden Organisationen an.
Verwaltungsangestellte/-beamte sind erfahrungsgemäß nicht bereit, ein individuelles, nicht automatisch erstelltes Schreiben an ihre Dienstherren (i.e. die Steuer- bzw. Beitragszahler) zu richten, sondern versuchen seit einigen Jahren stets, dies auf telefonischem Wege zu erledigen. Ob das nur auf purer Faulheit basiert oder die Unfähigkeit, sich der deutschen Schriftsprache in angemessener Weise zu bedienen maßgeblich ist, mag dahingestellt sein. Tatsache ist jedoch, daß eine telefonisch übermittelte Information eines Verwaltungsangestellten/-beamten kein Beweisstück darstellt, mit welchem man sich bei der übernächsthöheren Institution beschweren könnte.

Aus diesem elementar wichtigen Grunde ist man geradezu verpflichtet, jegliche telefonische Auskunft höflich, aber unnachgiebig zu verweigern, falls es der Verwaltungsangestellte/-beamte wider jeglichen Erwartens doch irgendwie vollbracht haben sollte, mittels einer ausgefuchsten, geradezu übermenschlich komplizierten Taktik*8) an Ihre Telefonnummer zu gelangen.

Wenn Sie jemals von einem Verwaltungsangestellten/-beamten telefonisch belästigt werden sollten, können Sie mit folgenden Verhaltensweisen bzw. Argumenten einem nichtautorisierten Informationsfluß vorbeugen:


Gewöhnen Sie sich an, sich grundsätzlich mit »Ja« oder mit »Bei......« zu melden und behaupten Sie im Fall der Fälle, daß derjenige, welcher vom Amt zu sprechen gewünscht wird, nicht anwesend sei und sie selbst nur ein zufällig zu Besuch anwesender entfernter Verwandter wären, der darüber nicht Bescheid wisse.

Oder melden Sie sich stets mit folgenden Worten »Hier ist der humanoide Anrufbeantworter von XY. Sprechen Sie jetzt oder schweigen Sie für alle Zeiten«. Sobald der Anrufer spricht und sich als Verwaltungsangestellter/-beamter zu erkennen gibt, legen Sie einfach auf.

Sie sagen, sobald Sie wissen, daß Sie einen Verwaltungsangestellten/-beamten am Rohr haben: »Was?!......Hallo!!!...... Hallohallohallo!!! Sind Sie noch dran?!......Abgestürzt«, legen auf und stecken Ihr Telefon aus.

Sagen Sie, sie hätten etwas auf dem Herd stehen und wären in 3 Minuten wieder zu sprechen, legen kurz auf und anschließend den Hörer neben die Gabel

Sagen Sie »Das kann ja jeder behaupten, daß er vom Amt ist. Ich gebe am Telefon prinzipiell keine Auskünfte...Wie bitte?! Was erlauben Sie sich?! Ich soll für mein sauer verdientes Geld bei IHNEN anrufen? Ich hör? wohl nicht recht! So eine Impertinenz! Guten Tag«

Legen Sie einfach kommentarlos auf und stecken Sie Ihr Telefon aus

Sagen Sie: »Ich würde Ihnen ja gerne weiterhelfen, jedoch gibt es einen gewichtigen Grund, weshalb ich dies nicht tun kann......Ich habe keine Lust!« und legen Sie auf.




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